Soundhealing - ein Modewort oder tatsächlich heilsam?
- 2. Feb.
- 8 Min. Lesezeit
Manche Dinge sind nicht nur ein Trend. Sie sind wertvoll und sie funktionieren, ganz unabhängig davon, ob es gerade "in" ist oder nicht. Genau so ist es mit meinen Klangmeditationen, die zugleich auch ein Soundhealing sein können.
Es ist schon ein paar Jahre her, als social media plötzlich voll war mit Soundhealing-Angeboten und es schienen immer mehr zu werden. Gefühlt ständig stolperte ich über Werbung für solche Angebote. Das kann natürlich auch an einem Algorithmus gelegen haben, der mir nach dem ersten Anklicken immer noch mehr desselben anzeigte.
Ich selbst habe schon vor über 13 Jahren damit begonnen, im Yoga mit Klangschalen zu experimentieren, als noch niemand von „Soundhealing“ oder „Yoga und Sound“ sprach. Für mich passte das einfach gut zusammen, denn Klangschalen schenken mit ihren Klängen Entspannung und machen so den sanften Yin Yoga noch schöner. Ich bot Workshops an, in denen ich Yin Yoga unterrichtete und parallel dazu Klangschalen live spielte. Dieses Konzept kam so gut an, dass ich jahrelang von zahlreichen Studios eingeladen wurde, durch Deutschland reiste und bis in die Schweiz, um meine „Yin Yoga & Klang“ Workshops anzubieten. Ich fühlte mich wie ein Klangschalen-Rockstar, der auf die Bühnen der Yogastudios geladen wurde, natürlich nicht mit 1.000en Zuschauern, aber die größten Events waren mit 40-45 Menschen.

Inzwischen begegnet man weniger dem Begriff „Soundhealing“, sondern eher Wortschöpfungen wie „Yoga & Sound“ oder “Yin Yoga & Sound“.
Warum das „Healing“ inzwischen eher verschwunden ist, weiß ich nicht. Vielleicht einfach deshalb, weil „sound“ kürzer ist und so der Titel eines Angebots weniger sperrig und insgesamt griffiger ist. Vielleicht aber auch deshalb, weil „sound“ eben nicht gleich „sound“ ist.
Während nach den Lockdowns der Boom der Soundhealings startete, spürte ich für mich, dass meine Yin Yoga & Klangschalen-Sessions nicht mehr wirklich für mich passten. Es war kein Gefühl, dessen überdrüssig geworden zu sein, sondern vielmehr ein Gefühl in mir, dass es für mich nicht mehr stimmig war. Es dauerte einige Zeit, bis mir klar wurde, was ich verändern wollte. Rückblickend kann ich sagen, dass mich das Leben führte und mir den Weg wies. Weg von der Verbindung von Yoga mit Klängen, hin zu reinen Klangmeditationen. Es ist eine Entwicklung, ein Reifen, was da in mir stattfand und auch ein noch mehr in Verbindung finden mit der Welt der heilsamen Klänge.
So traf ich auf Menschen, die mir von Soundhealings mit Klangschalen erzählten und eines Tages wurde ich von einer lieben Freundin in ihr Studio eingeladen.
Ihr Wunsch war, eine reine Klangmeditation anzubieten, ganz ohne Yoga, einfach nur Klang. Dieser Abend, an dem ich in "Yvis Gym" in Uhingen meine Klangschalen spielte, während 27 Frauen auf Yogamatten in Savasana lagen, war mein Schlüsselerlebnis. Und mir war plötzlich klar, dass genau das mein Weg ist.
Klänge im Yoga unterstützen beim Entspannen, denn allein durch das Hören verlangsamen sich die Gehirnwellen und ein Entspannungszustand entsteht. Doch gleichzeitig lenken die wechselnden Yogaübungen (Asanas) auch von den Klängen ab, denn wir können uns nicht gleichzeitig auf mehrere Dinge fokussieren. Deshalb biete ich inzwischen nur noch reine Klangmeditationen an, bei denen es nur um die Klänge geht und du einfach still liegen oder sitzen darfst, um dich ganz auf den Klang und seine Schwingung im Raum konzentrieren zu können. Ohne Ablenkung.
Und es spielt keine Rolle, ob ich dieses Setting nun Klangmeditation oder Soundmeditation nenne. Nur eines weiß ich gewiss: Meditation & Sound wäre nicht treffend. Ich habe mich für einen eher etwas längeren Namen entschieden:
Klangmeditation & Soundhealing
Weil das eine nicht automatisch das andere ist, aber beides möglich ist, wenn du dich darauf einlassen willst.

Was ist Soundhealing?
Klänge werden seit Urzeiten von den Menschen genutzt, um zu helfen und zu heilen. Kinder setzen Klänge wie summen, singen, seufzen oder auch wimmern intuitiv ein, um sich zu beruhigen. Schamanen arbeiten seit jeher gezielt mit Klang, um zu heilen und die Klang- und Musiktherapie macht sich das Wissen um die Kraft der Klänge ebenfalls seit langem zu nutze.
Bestimmte Klänge haben tatsächlich nicht nur eine wohltuende, sondern eine heilsame Wirkung auf uns. Das liegt an ihren Frequenzen und ebenso an den so genannten Obertönen. Jeder natürliche Klang ist kein reiner, steriler Ton, sondern vielmehr durch die mit dem Grundton mitschwingenden Obertöne ein Klanggemisch. Unser Körper empfindet dies als harmonisch. So wurde durch Studien belegt, dass sich unser Gehirn entspannt und Alphawellen in ihm entstehen, wenn wir den Klängen von Klangschalen lauschen. Die Entspannung des Gehirns (Zentralnervensystem) hat wiederum eine Entspannungsreaktion zufolge, der sich auf den gesamten Körper durch das parasympathische Nervensystem auswirkt, auf unseren mentalen Zustand und ebenso auf unser emotionales Empfinden. Lauschen wir heilsamen Klängen, sinkt übrigens auch das Schmerzempfinden und Ängste können gelindert werden.
Soundhealing mit Klangschalen
Die Klangschwingung von live gespielten Klangschalen breitet sich in Form von Schallwellen im Raum aus. Wir hören die Klänge zwar, aber das ist bei weitem nicht alles. Befinden wir uns selbst in diesem Raum, treffen die Schallwellen auf unseren Körper, der langsam mehr und mehr mit den Klängen und ihrer Schwingung in Resonanz geht. Unser Körper schwingt mit, was sensible Menschen spüren können. Und so gehen wir nicht nur in Resonanz, sondern werden mit Hilfe der Klangschwingung in Balance eingeschwungen. So als wären die Klänge im Raum gleichzeitig ein Stimminstrument, was unseren Körper in Harmonie (Kohärenz) eintuned. Und wenn wir davon ausgehen, dass Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden und sich demzufolge der Zustand des Körpers auf unser mentales und emotionales Empfinden auswirkt und umgekehrt, so können diese Klänge durchaus als heilsam oder heilend bezeichnet werden.
Denn immer dann, wenn wir aus welchen Gründen auch immer, körperlich verspannt sind, geht in uns Harmonie verloren. Jedes Mal, wenn wir gestresst sind, erhöht sich der Tonus im Körper und wir sind insgesamt auf allen Ebenen angespannt – und fühlen uns mitunter dann tatsächlich auch „verstimmt“.

In der Bioresonanztherapie nutzt man eben dieses Wissen um die heilsame Wirkung bestimmter Frequenzen, um Beschwerden zu lindern und um Krankheiten zu heilen. Der Grundgedanke ist, dass jeder Teil unseres Körpers eine ganz besondere Schwingungsfrequenz hat. Dadurch, dass diese Frequenzen nicht im für das menschliche Ohr hörbaren Bereich liegen, sprechen wir dabei nicht von Klang. Aber trotzdem hat unser Gehirn, unser Magen, unser Darm und auch unser Herz jeweils einen ganz eigenen Klang, den wir lediglich nicht hören können. Kommt dieser Klang aus seinem Gleichgewicht, entsteht Disharmonie und dadurch können Beschwerden und sogar Krankheiten entstehen.
Die Bioresonanztherapie nutzt Magnetwellen, um hier einen Ausgleich zu schaffen und wieder in Balance zu führen. Und auch Magnetwellen sind nichts anderes als ganz spezielle Schwingungen, die ebenfalls nicht hörbar für uns sind. Dennoch existieren sie.
Balance ist in Harmonie finden
Soundhealing bedeutet, uns mit Hilfe ausgesuchter Klänge und deren Schwingung in Form von Schallwellen wieder in Balance zu bringen, sodass unser Körper wieder harmonisch schwingt und klingt.
Die Klangschwingungen können zudem muskuläre Verspannungen im Körper lösen, stressbedingte Anspannung abbauen und sogar Spannungsmuster im Gewebe, die durch emotionale Belastung, körperliche Verletzungen oder Trauma entstanden sind, auflösen. Unser Körper ist weit mehr als eine Hülle, die uns durch dieses Leben trägt. Er erinnert sich an alles, speichert es in sich und zeigt uns durch seinen Zustand, wie es uns insgesamt geht und auch, ob wir unsere Wahrheit leben und wo auch nicht, welche Wunden bereits heilen durften und welche vielleicht auch noch Zeit brauchen oder erkannt werden wollen, um heilen zu können.
Die Intention macht die Magie
Wenn Klanginstrumente wie Klangschalen, auch Singing Bowls genannt, gespielt werden, gibt es große Unterschiede, wie diese Klänge letztlich wirken. Wie gesagt ist "sound" nicht gleich "sound".
Viel hilft in diesem Fall eben nicht viel, sondern weniger ist mehr.
Zumindest beim Spielen selbst. Erst kürzlich sah ich ein Video mit einem Musiker, der Klanginstrumente spielt. Er erzeugte zwar mit seiner kunstvoll gespielten Handpan einen wirklich angenehmen Klangteppich. Doch als er plötzlich mit einer Hand nach einem großen Klöppel griff und damit einen hinter ihm hängenden großen Gong blind anschlug, war ich raus und zugleich entsetzt. Denn genau das ist es für mich nicht. Heilsamen Klang zu erzeugen ist ein Akt voller Präsenz und Achtsamkeit. Einen Gong anzuschlagen, ohne ihn überhaupt anzuschauen, ist das nicht, ebenso wie hart und Hauptsache laut gespielte Klangschalen.
Nur gefühlvoll und achtsam gespielte Klangschalen können ihren vollen Klang- und Schwingungscharakter entfalten. Kraftvoll und grob angeschlagene Klangschalen erzeugen hingegen eher Lärm und dieser löst Stress aus, erzeugt dadurch neue Anspannung und Disharmonie und ist einfach unangenehm.
Es braucht aus meiner Sicht auch kein riesiges Arsenal an verschiedenen Klanginstrumenten, damit Sound zum Soundhealing werden kann. Im Gegenteil. Je simpler gehalten und monotoner die Klänge in Summe, umso mehr kann sich ein Klangteppich im Raum ausbreiten und umso tiefer können wir entspannen und sogar in Trance fallen. Ausgefallene Melodien sowie ständig wechselnde Instrumente, sind sie auch noch so schön, lenken eher ab und wir bleiben mehr beim Hören als in ein Spüren und Loslassen sinken zu können.
Ich nutze auch verschiedene Klanginstrumente wie Klangspiele (Windchimes), Ocean Drum, Raindisk oder auch meine Tambura. Aber immer sind auch Klangschalen dabei - genauer gesagt meine tibetischen Planetenklangschalen und auch meine Kristallklangschalen (Crystal Bowls). Und ich käme auch nie auf die Idee, all meine Klanginstrumente in nur einer Session zu nutzen. Wie gesagt, ist weniger einfach mehr. Ich beschränke mich bewusst auf 2 oder 3, deren Klänge ich fließend ineinander übergehen lasse und sie immer auch eine ganze Zeit lang pur spiele, ohne etwas zu vermischen.
Wenn ich meine Klangschalen spiele, schlage ich sie nicht an, sondern ich spiele und lasse sie liebevoll und geduldig in Schwingung finden – nach und nach, mehr und mehr. Sie müssen erst sanft geweckt werden, bis sie sich schließlich einschwingen und ihren vollen Klang entfalten können. Das lässt sich nicht beschleunigen und auch nicht erzwingen, denn sonst entstünde anstelle von Klang einfach nur Lärm.

Ich mache mir bewusst, dass sie gespielt werden wollen, um tief zu berühren. Genau das ist ihr Sinn und ihre Aufgabe. Und ich bin das Medium und Mittel zum Zweck, dass sie wirken können, wie es ihnen bestimmt ist. Dazu achte ich darauf, bewusst und tief zu atmen, um selbst in Resonanz zu gehen und mich mit ihrem Klang zu verbinden. Ich spiele intuitiv, ganz aus dem Gefühl heraus. So entstehen verschiedene Klangabfolgen, ein Rhythmus und langsam webt sich der Klangteppich in den Raum, bis er diesen vollkommen erfüllt.
Jedes neue Anspielen ist eine Übung in Achtsamkeit und ich spiele mit der Intention, Entspannung zu schenken und Wohlsein, vielleicht sogar Heilung – je nachdem, was die Menschen im Raum gerade für sich brauchen.
Und verklingen letztlich die Klänge, öffnet sich die Stille auf magische Weise. Und in diesem Augenblick breitet sich Frieden in mir und im Raum aus.
Ich bin zutiefst dankbar, dass ich diesen wundervollen Klanginstrumenten begegnet bin und eine so großartige Lehrerin in Christina Plate (www.sound-spirit.de) gefunden zu haben, denn durch sie habe ich verstanden, wie wichtig Achtsamkeit und eine klare Intention sind, um mit Klängen tief und dabei immer wohltuend berühren zu können.
Christina bietet übrigens auch Seminare an, falls du selbst Lust hast, sie selbst spielen zu lernen. Alles, was ich von ihr gelernt habe und meine eigenen Erfahrungen gebe ich dir selbst auch gerne weiter in meiner eigenen Klangyoga & Soundhealing Ausbildung, die ich seit vielen Jahren immer an einem Wochenende anbiete.
Deine Mel





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