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Sekundäres Trauma - das gibt es wirklich

  • 10. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Ist dir bewusst, dass dich Medienkonsum nicht nur in Stress versetzen, sondern sogar traumatisieren kann? Dein Nervensystem unterscheidet nicht zwischen Fiktion und Realität. Es unterscheidet nicht, ob du selbst betroffen bist oder dich nur betroffen fühlst. Aber was ist dann die Konsequenz?


Ich möchte dir keine Angst machen, sondern sensibilisieren. Den Begriff der sekundären Traumatisierung gibt es tatsächlich. Dieses Phänomen existiert. Was das genau ist und bedeutet, möchte ich dir gerne erklären. Denn genau genommen sind wir alle gefährdet, sekundär traumatisiert zu werden.


Was ist ein sekundäres Trauma?


Wenn du schreckliche Bilder siehst, wenn du Zuschauer oder Augenzeuge bist bei einer Tragödie, macht das etwas mit dir. Und je empathischer du bist, umso größer die Gefahr, dass du allein durch das von außen miterleben, traumatisiert wirst. Du kannst ein sekundäres Trauma erleiden, auch wenn du selbst nicht direkt und nicht unmittelbar betroffen bist.


Nicht nur Ersthelfer und Rettungskräfte wie Sanitäter, Notärzte und Feuerwehrleute oder auch Therapeuten können von einer sekundären Traumatisierung betroffen sein. Auch du. Die Folge kann sogar eine postraumatische Belastungsstörung (PTBS) sein und diese ist behandlungsbedürftig.


Unsere Nachrichten sind seit Jahren voll mit Schreckensmeldungen, mit Dramen, Horrorbildern und Tragödien. Obwohl man inzwischen weiß, dass immer wieder auch gefäschlte Bilder auftauchen, unser Nervensystem kann nicht unterscheiden, was wahr ist und was Fake, was Fiktion ist und was Realität. Es unterscheidet auch nicht, was uns unmittelbar betrifft und was wir nur aus der Ferne und gewissermaßen aus einem Sicherheitsabstand heraus betrachten. Es unterscheidet nicht, ob es „nur“ ein Computerspiel ist, in dem du dich in virtueller Gefahr befindest oder ob diese Bedrohung echt ist.


Unser Nervensystem löst Stress aus, wenn wir bedrohliche Bilder sehen, egal ob real oder fiktiv
Dein Nervensystem unterscheidet nicht, ob eine Gefahr real ist oder nur fiktiv, ob du unmittelbar betroffen bist oder nicht.

Suchtgefahr Smartphone, Tablet und Co.


Das Fatale an den neuen Medien ist, dass sie eine ungeheure Sogwirkung haben und damit echtes Suchtpotential. Du kennst das sicher auch: Du startest mit einem Newsfeed, liest eine Presseartikel, dann folgt ein Video und noch eins und der nächste Artikel mit schrecklichen Bildern und so geht es weiter. Du scrollst und klickst weiter und weiter.

Und was wir uns da alles anschauen, hat eine Wirkung.

Natürlich ist es wahr, dass in unserer heutigen Welt sehr viele schreckliche Dinge voller Gewalt, Grausamkeit und auch Ungerechtigkeit geschehen.


Ich möchte dir nur sagen: Sei achtsam.

Sei achtsam mit deinem Medienkonsum und werde dir bewusst, wie dein Nervensystem darauf reagiert.


Und mit Medienkonsum meine ich nicht nur die aktuellen Nachrichten aus aller Welt, sondern auch Games, Reels, Shorts, Videos und Spielfilme.


Schenke dir deshalb bewusst auch immer wieder Momente, um dich und dein Nervensystem wieder zu beruhigen und zu entspannen, damit du nicht im Stresszustand und Gefahrenmodus stecken bleibst.


Auch Schreckensbilder von Naturkatastrophen und Kriegen setzen dein Nervensystem in Alarmbereitschaft und signalisieren Gefahr
Auch Schreckensbilder von Naturkatastrophen und Kriegen versetzen dein Nervensystem in Alarmbereitschaft und signalisieren Gefahr.

Die Dosis macht das Gift – konsumiere Medien bewusst


Der Begriff „Medien-Detox“ bedeutet für mich nicht, keine neuen Medien mehr zu konsumieren und keine Nachrichten mehr zu schauen. Nein, mir geht es auch nicht darum, dich vom Nachrichten schauen und lesen abhalten zu wollen. Ich bin kein Fan von Abschotten, Verleugnen und Verdrängen.


Hinzusehen, mitzufühlen und der Wunsch, zu helfen anstatt auszublenden ist Teil unseres Menschseins, denn wir sind nicht nur fühlende, sondern auch soziale Wesen.

Der Sinn des Lebens ist damit nicht, dich in eine Heile-Welt-Bubble zurückzuziehen und alles abzuschmettern und wegzuwischen, was deine Balance gefährden könnte. Das kannst du so machen, aber wirklich glücklich wirst du auf diese Weise vermutlich nicht.


Wichtig aus meiner Sicht ist vielmehr, gut auf dich zu achten, wenn du dich mit Schreckensbildern und Dramatexten auseinandersetzt. Achte auch gut auf dich, welches Game du zockst und welche Filme du dir ansiehst.


Finde zurück in Balance durch bewusste Entspannung


Schau und höre dir gerne alles an, was du möchtest. Aber behalte die Wirkung auf dich im Blick. Sei mutig genug, die Informationen zu hinterfragen und vor allem: Hole dich immer wieder zurück in deine Mitte, denn die verlierst du automatisch, wenn du dich mit Drama und Horror auseinandersetzt. Egal, ob real und aus der Ferne oder fiktiv in Spielen oder Filmen.


Auch das gehört zum Menschsein: Immer wieder deine Balance zu verlieren und aus deiner Mitte zu purzeln, um dich dann bewusst zurückzuholen.


Schenke dir als Ausgleich Momente, in denen du tief und bewusst atmest. Deinen Körper spürst. Dich aus dem Denken wieder in deinem Körper verankerst und verwurzelst. Reguliere so dein Nervensystem, indem du dich aus dem Gefahrenmodus in die bewusste Entspannung und damit Sicherheit zurückholst.



Also halte immer wieder inne, atme bewusst und tief durch die Nase ein und aus. Verbinde Dich mit deinem Herzen. Denn nur so schützt du dich vor sekundärer Traumatisierung, bleibst handlungsfähig und vor allem in deiner Kraft und deiner Mitte.


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Und solltest du das Gefühl haben, dass du dich selbst nicht mehr regulieren kannst, dann zögere nicht und habe den Mut, dir professionelle Hilfe zu suchen.



Alles Liebe

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