Somatisches Yoga - Revival der Yogaphilosophie
- 1. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Unsere moderne Welt liebt Trends, egal in welchem Bereich. Auch im Yoga ist es so, dass immer wieder neue Begriffe auftauchen. Somatisches Yoga ist einer davon. Doch ist das wirklich ein neuer Yogastil, wie viele behaupten?
In allen Bereichen unserer modernen Welt gibt es immer wieder neue Entdeckungen, neue Entwicklungen und neue Trends. Das ist auch im Yoga so. Während manche dieser Trends wirklich Neues bieten, sind manche bei genauerem Betrachten eher ein Wiederentdecken von etwas, was schon lange da war.
Ich behaupte, dass somatisches Yoga genau das ist: ein Wiedererinnern und ein Rückbesinnen. Quasi ein Revival - der Yogaphilosophie und des tantrischen Yoga.
Nur ganz kurz erklärt: Der tantrisch geprägte Yoga ist genau die Art von Yoga, die du kennst - mit Körperübungen (Asanas) auf der Matte. Denn die Tantriker sahen den Körper als Werkzeug und Hilfsmittel, um Erfahrungen zu machen, zur Persönlichkeitsentwicklung und um zur Erleuchtung zu finden. Vor der philosophischen Epoche des Tantrismus war man der Ansicht, dass der Körper ein Hindernis auf dem Weg zur Erleuchtung und Glückseligkeit darstellt.
Langsamkeit ist kein somatisches Yoga
Kürzlich las ich einen Artikel in einer Yogazeitschrift über somatischen Yoga. Darin hieß es: Bewege dich langsam. Bewege dich noch langsamer. Das ist es. Das ist somatisches Yoga.

Mein erster Gedanke dazu war: Naja. Ist das tatsächlich so?
Denn ich stelle in Frage, ob es tatsächlich die Langsamkeit ist, die somatischen Yoga ausmacht. Ich behaupte, dass das entschleunigte Üben vielmehr Mittel zum Zweck ist und es genau genommen um mehr geht. Das Entscheidende im somatischen Yoga ist die Achtsamkeit. Und Achtsamkeit bedeutet bewusstes Bewegen, bewusstes Spüren, bewusstes Atmen und bewusstes Erleben des eigenen Körpers. Es geht darum, aus dem Unbewusst-sein ins Bewusst-sein im Sinne eines bewussten Erlebens zu finden.
Deinen Körper bewusst & in seiner Lebendigkeit erleben
"Soma" ist griechisch und kann mit "lebendiger Körper" übersetzt werden. Es geht also darum, den eigenen Körper als lebendiges Wunderwerk zu erkennen und ihn als solches zu erleben, zu erspüren und zu erforschen.
Und es ist richtig, dabei helfen verlangsamte Bewegungen durchaus, weil so mehr Zeit zum Spüren ist. Trotzdem darfst du deinen Körper auch in deinem "normalen" Tempo bewegen. Allein die Langsamkeit ist kein somatisches Yoga. Die Achtsamkeit ist der Schlüssel und zugleich der Gamechanger.
Entscheidend ist, dass du dies achtsam und bewusst machst und nicht mechanisch. Raus aus dem Autopiloten und dem Robotermodus, rein in die Lebendigkeit.
Ich muss da an ein typisches Bild aus dem Fitnessstudio denken: Da läuft jemand auf dem Laufband und starrt dabei in den Fernseher, der im Sichtfeld an der Wand hängt. Der Jogger auf dem Laufband trägt außerdem noch Ohrenstöpsel und hört vielleicht Musik, die beflügelt, vielleicht auch ein Hörbuch, ein Hörspiel oder einen Podcast. Abgeschirmt von der Außenwelt und das Laufen ist mehr ein mechanischer Prozess als etwas, das bewusst erlebt wird.
Auch in Yogaklassen geschieht es häufig, dass wir unsere Achtsamkeit verlieren. Vielleicht weil wir alles daran setzen, mit unserem Körper eine ganz bestimmte Form einzunehmen, die wir vom super beweglichen Yogalehrer vorgeturnt bekommen oder die wir von Hochglanz-Instagram-Fotos kennen. Oder weil wir den inneren Anspruch im Kopf haben, dass wir in jeder Runde Sonnengruß unbedingt ein klassisches Chaturanga mit dem heraufschauenden Hund schaffen müssen, obwohl uns eigentlich schon lange die Kraft ausgegangen ist, wir aber die Signale unseres Körpers ignorieren, damit wir am Ende ausreichend Kalorien verbrannt haben, um in Gedanken ("innerer Kritiker", "innerer Antreiber") mit uns zufrieden sein zu können.

Somatisches Yoga lädt zum bewussten Wahrnehmen und Üben ein.
Und damit schwingt die Philosophie des Yoga mit, wie zum Beispiel:
Sei authentisch.
Sei aufrichtig.
Füge niemandem Gewalt zu - auch dir selbst nicht.
Reflektiere dich selbst.
Fokussiere dich (auf das Wesentliche).
Bleib bei dir , sei achtsam und mit dir selbst verbunden.
Übe dich in Bescheidenheit.
Damit ist Somatisches Yoga ein ganz klares "Raus aus dem Leistungsdenken" und ein "Mitten-hinein-in-dein-inneres-Erleben" und ein Erkennen und Begreifen, dass du eine Einheit aus Körper, Geist und Seele bist und dass alles mit allem verbunden ist. Somatisches Yoga ist raus aus dem Kopf finden und hinein in deinen Körper. Und es ist eine Liebeserklärung an diesen Körper und ein dich verbinden mit deiner Körperweisheit.
Wenn du gerne mehr dazu wissen willst... ich habe ein ganzes Buch darüber geschrieben:
Außerdem biete ich auch einen gleichnamigen Workshop und ein Teacher Training an und habe mein ganz besonderes Konzept des "Somatic Shaking" entwickelt:
Alles Liebe
Deine Mel





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